Medien

Aus Halingen kommt der Honig im Briefumschlag

Halingen. Seit Michael Blum neun Jahre alt ist, imkert er. Seine Leidenschaft für die Bienen und den Honig hat er von seinem Großvater.

„Vooooorsichtig und ruhig bleiben“, ruft Michael Blum seinen Besuchern zu. Eine Gruppe von Nachbarskindern stapft durch seinen Garten. Hibbelig wuseln sie durcheinander. Denn sie wollen unbedingt die Bienen von Michael Blum erforschen. Der Halinger ist Hobby-Imker mit Leib und Seele.

Um an den Honig zu kommen, schaben die Kinder die Waben frei. Anschließend wird der süße Saft herausgeschleudert.

69 Bienenvölker tummeln sich im Garten von Blum. Unweit des frisch gepflanzten Blühstreifens summen sie leise. Ein beißender Geruch liegt in der Luft. Es riecht verbrannt. Doch das soll auch so sein. Denn um den Kindern das Leben der Insekten näherzubringen, ist eine Rauchkanüle wichtig. Sie simuliert einen Waldbrand und sorgt dafür, dass sich die Tiere ins Innere ihres Bienenstocks zurückziehen. Kleine Rauchschwaden hüllen die Bienen ein – und legen die Königin frei.
2000 Eier legt die Bienenkönigin pro Tag. In diesem Jahr hat jede neue Königin einen roten Punkt. „Da ist sie“, rufen die Kinder aufgeregt. Zwischen tausenden Drohnen und Bienen krabbelt sie über die Waben. „Die Königin frisst nicht selbst, sie wird gefüttert“, erklärt ihnen Blum.

2 Jahre lang ist eine Königin im Schnitt in einem Volk. Dann lässt ihre Leistung nach und sie muss das Volk verlassen. Blum setzt dem zehnjährigen Danil eine Drohne auf die Hand. „Das kitzelt“, sagt der Junge. Die Drohnen sind dieser Tage relativ inaktiv. Sie werden von den weiblichen Bienen Stück für Stück aus dem Volk verdrängt. Denn die Winterruhe rückt näher und um zu überleben, müssen die gefräßigen Drohnen zurückgelassen werden.

Rund 50 000 Bienen umfasst ein Volk zur Hochzeit im Mai.

16 Tage dauert es, bis eine Bienenkönigin schlüpft. 21 Tage sind es bei weiblichen Bienen, 24 bei Drohnen. Nach der Besichtigung schlurfen die Kinder in den kleinen, bemalten Anbau Blums. Dort geht es für die Besucher daran, die Waben zu entdecken. Mit einer Art überdimensionalen Gabel schaben sie die versiegelten Kammern frei, um in der Schleudertrommel an den Honig zu kommen. „Einer nach dem anderen“, ruft Blum den Kindern zu.
25 Kilogramm Honig liefert ein Bienenvolk im Schnitt pro Jahr. Dabei gibt es die Früh- und Spättracht. Die erste Honigernte, so Blum, findet Ende Juni statt, die zweite Ende Juli oder Anfang August. Anschließend muss der Imker die Bienen bereits auf die Winterruhe vorbereiten. Mit Zuckerwasser oder Futtersirup füttert er die Tiere ein und sicher so das Überleben der einzelnen Völker.

50 000 Bienen beherbergt ein Volk zur Spitzenzeit im Sommer. Während die Kinder nacheinander den Honig schleudern, erklärt Blum, dass das Bienensterben nicht so akut ist, wie viele es sich vorstellen. Bei Wildbienen komme es zwar zu Problemen, „die Imkerei ist allerdings stark im kommen, selbst in Städten“, so der 40-Jährige. Blum gibt zu bedenken, dass ein geringerer Pestizideinsatz auch deutlich weniger Probleme mit sich brächte. Am Ende der Führung sind Kinder und Eltern so begeistert, dass sich einige den frischen Honig einpacken lassen.

Quelle: Westfalenpost