Halinger Schnadegang

Historie des Schnadegangs in Halingen

Text & Recherche: Johann Lichtblau

Der Schnadegang/-zug/Schnad war im Mittelalter eine Grenzbegehung“ die in regelmäßigen Abständen durchgeführt wurde, um den Verlauf der Grenze zum Nachbarn (Gemeinde, Gutshof oder sogar Land) zu überprüfen und sich vor Grenzverschiebungen zu schützen. Aber auch um Nachkommen über den Grenzverlauf zu informieren. Die Grenzen verliefen entlang markanter Bäume, Hecken, Gräben, Bach- bzw. Flussläufe.

In Halingen sind zwei derartige Grenzprüfungen überliefert:

  1. 1582 fand bereits ein Schnadezug zu Pferde statt an dem auch zwei Halinger teilnahmen: Johann Keyman de alde zu Halingen als Schöf-fe des Mendener Gerichtes und der alte Rührman zu Halingen wegen seines hohen Alters und der daraus resultierenden besonderen Ortskenntnisse. Über den Grenzverlauf wurde eine Skizze und eine Wegebeschreibung gefertigt.1
  2. 1719 wurden die Grenzen zu Fuß zwischen dem Dahlhausischen und dem Gerkendahlischen Berg aufgesucht und ausgehauen an der Vikar Schulte als Vertreter der Äbtissin teilnahm und die Grenzen aufzeichnete. Dieser Schnadegang geriet als erster bekannter Schnade-„Gang“ ins Blickfeld und wurde als geschichtlicher Ursprung fortgesetzt.2

Die Schnadezüge sollten alle 50 Jahre erfolgen. Im Verlauf der Jahre wurden schließlich auch Steine zur Grenzmarkierung verwendet.

Ab 1828 erfolgte die Landvermessung durch die Preußen und die Schnadegänge verloren an Bedeutung, wurden sogar laut Verfügung des preußischen Innenministeriums für nicht mehr notwendig erklärt.
Am 3. Februar 1841 wurden Schnadegänge schließlich ganz verboten (Amts-blatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg).
Nach dem 2. Weltkrieg wurden vielerorts Schnadegänge neu eingeführt, sie dienten dazu, die Bevölkerung mit ihrer Heimat insbesondere mit den Ge-meindegrenzen unter sachkundiger Führung vertraut zu machen.

Im Sommer 1953 beschloss die Gemeindevertetung Halingen jährlich am zweiten Sonntag im September einen Grenzgang zu unternehmen.
Im Jahr 1969 jährte sich die als Ursprung festgesetzte Schnad zum 250. Mal. Zu diesem Anlass wurde von Heinz Heimann am Kreuzweg ein Gedenkstein mit selbst verfertigten Mosaik und zwei Eichentafeln erstellt. Das Mosaik stellt u.a. das Wappen der Gemeinde Halingen sowie markante Halinger Bauwerke dar. Die Tafeln führen die Aufschrift „250 Jahre Schnadegang 1719-1969“ und ein bekanntes Goethe-Zitat. Der Gedenkstein selbst, ein weißer Betonblock, war von den Gemeindearbeitern gegossen worden.

Bis 1974 wurden die Schnadegänge durch die Gemeindevertretung fortgesetzt.
Ab 1975 wurden die Schnadezüge von der Gruppe „Alte Herren“ des TVH durchgeführt.

Nach Gründung der Dorfgemeinschaft übernahm diese ab 1995 die Durchführung der Schnadegänge.

Im Jahr 2006 wurde das Schnadedenkmal durch eine Veränderung der Wegführung vom neuen Eigentümer des Biermannhofes der Fam. Edelhoff in Absprache mit der Dorfgemeinschaft Halingen an die Grenze zu Drüpplingsen in die Nähe des Hedufers verlegt und mit einem Schutzdach versehen.

2019 wird anlässlich des Jubiläums „300 Jahre Schnadegang Halingen“ eine Messingtafel mit den historischen Daten der Schnad und dieser QR-Code am Denkmal angebracht.

Zum Schluss ein Brauch: Er dient dazu, Neubürger während des Schnadeganges zu „poaläsen“. Dabei wird der zu „Poaläsende“ von einigen Schnadegängern angehoben und über einen Grenzstein gehalten. Dann lässt man sein Hinterteil mehrmals leicht auf den Stein („Poal“) prallen. Damit soll dem Neubürger der Standort des Grenzsteins nachhaltig bewusst gemacht werden. Gepoaläste Gemeindemitglieder werden „Poalbürger“ genannt.

1 Karl Hartung: Mit alten Mendenern auf Schnadegang – Umbreitung der Gräntzen im Ambt Menden 1582 „Heimatbuch 900 Jahre Halingen“, Seiten 122/123

2 „Heimatbuch 900 Jahre Halingen, Seite126 und „Halingen und seine Ge-schichte“ von Robert Frese, Seite 117 (Hrsg. 1931, Selbstverlag).

Detaillierte Informationen sowie Fotos zum Schnadegang finden sich auch im Halinger Heft „Halingen zwischen Ruhr und Wälkesberg“, Ausgabe 45.